Angesichts einer lebensbedrohlichen Blutung kann das schnelle und korrekte Anlegen eines Tourniquets den Unterschied ausmachen. Die gute Nachricht: Mit einem modernen CAT-Tourniquet ist der Vorgang in 4 einfachen Schritten erledigt, die jeder lernen kann.

Hier ist eine klare und praktische Anleitung zum effektiven Anlegen eines Tourniquets – von der richtigen Positionierung bis zur Übergabe an die Rettungskräfte.

Bevor Sie beginnen: Wann sollte man ein Tourniquet anlegen?

Ein Tourniquet wird nicht bei jeder Blutung angelegt. Es ist für schwere, lebensbedrohliche Blutungen an Extremitäten (Arm oder Bein) vorgesehen, wenn direkter Druck nicht ausreicht, um den Blutfluss zu stoppen.

Der richtige erste Schritt vor dem Anlegen: Sich selbst schützen (Umfeld sichern, wenn möglich Handschuhe anziehen) und feststellen, dass es sich tatsächlich um eine Extremitätenblutung handelt. Bei Blutungen am Kopf, Hals oder Rumpf ist ein Tourniquet nicht geeignet: Hier sind Kompression oder ein Verband erforderlich.

Sobald dies festgestellt wurde, zögern Sie nicht: Jede Sekunde zählt. Kommen wir zu den 4 Schritten.

Schritt 1: Das Tourniquet an der richtigen Stelle platzieren

Platzieren Sie das Tourniquet am verletzten Glied, 5 bis 8 cm oberhalb der Wunde, herzseitig. Drei goldene Regeln für diesen Schritt:

  • Niemals über einem Gelenk (weder am Ellbogen noch am Knie): Die Kompression wäre dort unzureichend. Platzieren Sie es am „langen Knochen“ des Gliedes.
  • Flach und senkrecht zum Glied, niemals diagonal, um ein Verrutschen zu vermeiden.
  • Im Zweifelsfall bezüglich der genauen Lage der Verletzung (massive Wunde, abgerissenes Glied) legen Sie es hoch am Glied an, nahe an der Leiste oder Achselhöhle.

Das Tourniquet kann direkt auf der Haut oder über dünner Kleidung angelegt werden. Achten Sie darauf, eine volle Tasche (Telefon, Schlüssel) darunter zu entfernen.

Schritt 2: Das Band fest anziehen

Führen Sie das Band um das Glied und ziehen Sie das Klettverschlussband so fest wie möglich von Hand an, bevor Sie den Knebel betätigen.

Dieser oft vernachlässigte Schritt ist entscheidend: Es ist die Vorspannung. Je fester das Band von Anfang an angezogen wird, desto schneller und effektiver ist der endgültige Verschluss, und desto weniger Umdrehungen des Knebels müssen Sie machen. Ein in diesem Stadium locker gelassenes Band führt dazu, dass das Tourniquet Schwierigkeiten hat, die Arterie zu verschließen.

Befestigen Sie den Klettverschluss fest, um diese anfängliche Spannung zu blockieren.

Schritt 3: Den Knebel (Windlass) drehen und arretieren

Dieser Schritt erzeugt die eigentliche Kompression. Drehen Sie den starren Knebel (Windlass), um das Tourniquet schrittweise anzuziehen. Drehen Sie weiter, bis die Blutung vollständig aufhört.

Der richtige Indikator: Das Blut hört auf zu fließen und der Puls ist unterhalb des Tourniquets nicht mehr tastbar. Solange die Blutung anhält oder ein Puls unter dem Tourniquet spürbar ist, ist es nicht fest genug angezogen.

Wichtig: Hören Sie nicht auf den Schmerz. Ein wirksames Tourniquet ist für das Opfer zwangsläufig schmerzhaft – das ist ein Zeichen dafür, dass es wirklich komprimiert. Das ist normal und notwendig.

Sobald die Blutung gestoppt ist, arretieren Sie den Knebel im dafür vorgesehenen Sicherheitsclip und klappen Sie dann das Halteband (oft mit „TIME“ beschriftet) darüber, um alles zu sichern. Das Tourniquet sollte sich nicht mehr abwickeln können.

Schritt 4: Uhrzeit notieren und Rettungskräfte alarmieren

Der letzte Schritt, der oft vergessen wird und doch entscheidend ist: Notieren Sie die genaue Anlegezeit.

Tragen Sie sie auf dem Dokumentationsfeld des Tourniquets (dem dafür vorgesehenen weißen Bereich) mit einem Marker ein oder direkt auf die Haut des Opfers, falls Sie das Tourniquet nicht im Blick haben. Diese Information ermöglicht es dem medizinischen Personal, die Ischämiezeit zu beurteilen und über die weitere Behandlung zu entscheiden.

Danach alarmieren Sie die Rettungskräfte (112), geben Sie einen genauen Standort an und bleiben Sie beim Opfer. Überwachen Sie, dass sich das Tourniquet nicht lockert und die Blutung kontrolliert bleibt.

Die absolute Regel nach dem Anlegen

Sobald das Tourniquet angelegt und wirksam ist, merken Sie sich nur eines: Es wird nicht mehr angefasst.

  • Nicht lockern Sie das Tourniquet, auch nicht „zur Linderung“: Dies löst die Blutung erneut aus und birgt das Risiko eines gefährlichen Reperfusionssyndroms.
  • Nicht entfernen Sie das Tourniquet: Dies darf nur medizinisches Fachpersonal in einer medizinischen Einrichtung tun.

Das Tourniquet bleibt bis zur medizinischen Versorgung angelegt. Punkt.

Zusammenfassung: Die 4 Schritte auf einen Blick

  1. Platzieren: 5-8 cm oberhalb der Wunde, niemals auf einem Gelenk, flach.
  2. Anziehen: Das Klettverschlussband maximal von Hand (Vorspannung).
  3. Drehen und arretieren: Den Knebel bis zum Stillstand der Blutung drehen, dann im Clip fixieren.
  4. Uhrzeit notieren und Rettungskräfte alarmieren.

Vier einfache Handgriffe, die aber Übung erfordern, um unter Stress zu Reflexen zu werden.

Warum Training alles verändert

Diese Schritte zu lesen, reicht nicht aus. Am Tag einer echten Blutung lässt Adrenalin die Hände zittern und die Erinnerung verschwimmen. Nur Training verwandelt Theorie in flüssige Bewegungen.

Nehmen Sie an einer Schulung zur Blutstillung (GQS, PSC1/PSC, SST, Stop the Bleed) teil, um das Anlegen unter Anleitung eines Trainers zu üben. Wiederholen Sie dann regelmäßig mit einem speziellen Übungs-Tourniquet – auch einhändig, mit geschlossenen Augen, in verschiedenen Positionen – um Ihr einsatzbereites Tourniquet nicht abzunutzen. Das ist es, was den Unterschied zwischen Zögern und Handeln ausmacht.

Häufig gestellte Fragen

In welcher Höhe sollte das Tourniquet angelegt werden?
Etwa 5 bis 8 cm oberhalb der Wunde, herzseitig, niemals über einem Gelenk. Im Zweifelsfall hoch am Glied anlegen.

Woher weiß man, ob das Tourniquet fest genug angezogen ist?
Die Blutung muss vollständig stoppen und der Puls unterhalb des Tourniquets verschwinden. Wenn noch eine Blutung oder ein Puls vorhanden ist, ziehen Sie weiter an.

Muss das Tourniquet schmerzen?
Ja. Ein wirksames Tourniquet ist schmerzhaft, das ist normal. Ignorieren Sie den Schmerz des Opfers nicht: Ein Tourniquet, das nicht schmerzt, ist wahrscheinlich nicht fest genug angezogen.

Muss das Tourniquet von Zeit zu Zeit gelockert werden?
Niemals. Das Lockern löst die Blutung erneut aus und birgt das Risiko eines Reperfusionssyndroms. Es bleibt bis zum Eintreffen der Rettungskräfte angelegt.

Was tun, wenn die Blutung nicht aufhört?
Überprüfen Sie die Straffheit, und legen Sie bei Bedarf ein zweites Tourniquet direkt über das erste, herzseitig, an.

Kann man ein Tourniquet bei sich selbst anlegen?
Ja, CAT-Tourniquets sind für das Anlegen mit einer Hand konzipiert. Das ist ein weiterer Grund, regelmäßig zu üben.

Zusammenfassend

Das Anlegen eines Tourniquets besteht aus 4 Schritten: An der richtigen Stelle platzieren, das Band fest anziehen, den Knebel drehen und arretieren, bis die Blutung stoppt, dann die Uhrzeit notieren und die Rettungskräfte alarmieren. Einmal angelegt, wird es weder gelockert noch entfernt.

Auf dem Papier ist es einfach – aber es ist das Training, das die Bewegung unter Druck zuverlässig macht. Besorgen Sie sich ein zugelassenes Tourniquet, lassen Sie sich schulen und üben Sie regelmäßig: Das ist die Erfolgsformel, um wirklich handeln zu können, wenn ein Leben davon abhängt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Das Anlegen eines Tourniquets muss im Rahmen einer anerkannten Schulung (GQS, PSC1/PSC, SST, Stop the Bleed, TCCC…) erlernt werden.

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